Deutsch Financial Independence Basics

Weißt du eigentlich, wie viel du ausgibst?

Finanziell unabhängig zu werden ist einfach – in der Theorie:

Gib weniger aus als du verdienst, investiere die Differenz, und das ganze von vorn. Dann wirst du je nach deiner Sparquote früher oder später finanziell unabhängig. In der Praxis ist das natürlich viel komplexer.

An dieser Stelle möchte ich nicht darauf eingehen, wie du deine Sparquote oder dein Einkommen erhöhen kannst. Lass uns mit den Grundlagen anfangen.

Wie hoch sind deine Ausgaben? Simple Frage, oder? Aber ist die Antwort auch einfach? Für die meisten Menschen nicht unbedingt, wenn sie sich auf den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit machen – mich eingeschlossen.

 

Schleichende Lifestyle-Inflation

Der Grund hierfür ist, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die schon die finanzielle Unabhängigkeit anstreben, wenn sie ins Berufsleben starten. Die meisten haben noch keinen Plan, wie viel sie sparen und investieren wollen und wie viel sie wirklich für die wesentlichen Dinge des Lebens ausgeben müssen.

Häufig hast du während des Studiums oder der Ausbildung noch niedrige Ausgaben, weil Bafög oder Ausbildungsgehalt wenig Spielraum bieten. Du hast kein Problem damit, in einer WG zu wohnen, einfach zu kochen und auch bei den Freizeitausgaben zu sparen – erinnerst du dich noch, wie du vor dem Weggehen mit Freunden „vorgeglüht“ hast, um im Club weniger für Getränke auszugeben? Und trotzdem schätzen die meisten von uns diese Zeiten später als einige der besten Jahre unseres Lebens.

Die Gewohnheiten ändern sich oft, wenn du dein erstes Gehalt verdienst. Du hast plötzlich das Gefühl, dass du viel mehr Geld zur Verfügung hast und vielleicht möchtest du dir jetzt ein paar Dinge gönnen, die du dir vorher nicht leisten konntest. Auf jeden Fall sitzt das Geld jetzt lockerer, und vielleicht schaust du nicht mehr so genau auf deine Finanzen, solange du insgesamt nicht mehr ausgibst als du verdienst.

 

Im Status Quo dahin driften

Und deshalb sage ich, dass die Antwort auf die Frage “Wie viel gibst du aus” vielleicht gar nicht so einfach ist. Die meisten von uns leben schon mit einem Ausgaben-Status-Quo, wenn wir darüber nachdenken, finanziell unabhängig zu werden. Solange wir nicht ständig verschuldet sind, wissen wir vielleicht nicht genau, wie viel wir pro Monat oder Jahr ausgeben – es gleicht sich am Ende schon irgendwie aus.

Aber ohne genau zu wissen, wohin dein Geld geht, wird es sehr schwierig, deine Ausgaben zu optimieren. Wenn ich von “Optimierung” deiner Ausgaben spreche, meine ich nicht, dass du deine Ausgaben unbedingt so weit wie möglich senken solltest. Ja, klar, damit könntest du die finanzielle Unabhängigkeit vielleicht schneller erreichen.

Aber du tust dir selbst keinen Gefallen, wenn du deine Ausgaben so weit herunterfährst, dass deine Lebensqualität beeinträchtig wird. Du willst ja langfristig durchhalten. Du musst darüber nachdenken, auf welchem Niveau du auf lange Sicht leben kannst und willst, da dies die Grundlage für die Berechnung deines notwendigen Vermögens beziehungsweise der für dich notwendigen (passiven) Einkommensströme ist.

Die “Optimierung” deiner Ausgaben sollte zu deiner langfristigen Planung passen. Es wird Kategorien von Ausgaben geben, die wichtiger für dich sind als andere. Vielleicht möchtest du viel reisen, während jemand anders ein Feinschmecker ist. Wenn du deine Prioritäten kennst, kannst du dich auf die Dinge fokussieren, die wirklich einen Wert für dich haben – und trotzdem deine Gesamtausgaben im Blick behalten.

 

Fang einfach an

Wie fängst du jetzt am besten an? Wahrscheinlich hast du verschiedene Ausgaben mit einem festen Betrag pro Monat, wie z.B. Miete oder Hypothek und Strom, Gas etc. (je nach Land ist das unterschiedlich). Dann gibt es Ausgaben, z.B. für Lebensmittel, Unterhaltung oder Geschenke, die jeden Monat variieren.

Um mir einen genaueren Überblick über unsere Ausgaben zu verschaffen, habe ich zuerst die fixen Ausgaben, die jeden Monat anfallen, in ein Spreadsheet eingetragen. Dann habe ich die fixen Ausgaben ergänzt, die wir jährlich oder vierteljährlich zahlen, wie etwa Versicherungsprämien oder Grundsteuer, und zwar umgerechnet auf einen monatlichen Betrag. Das war ein ziemliches Aha-Erlebnis für mich. Vorher haben wir Versicherungen usw. aus einem allgemeinen Spar-Topf bezahlt, der sehr pi-mal-Daumen kalkuliert war. Und ich hatte keine Ahnung, wie viel davon eigentlich schon fest auf jährliche oder vierteljährliche Ausgaben hätte verbucht werden müssen.

Ein anderes Ausgaben-Aha-Erlebnis hatte ich tatsächlich erst vor kurzem, als mir klar wurde, dass es auch deutlich mehr Sinn macht, separate Budgets für den Ersatz von großen Elektrogeräten, Autoreparaturen oder Instandhaltung des Hauses zu haben, als hierfür in einem Gesamt-Topf zu sparen. So bekommt man einfach ein viel besseres Gefühl für die notwendigen Summen. Du kannst es also schlauer machen als ich und dir von Anfang an überlegen, welche Ausgaben-Kategorien für dich Sinn machen.

Mit den variablen Ausgaben könnte es etwas schwieriger werden. Wenn du die Daten zur Verfügung hast – schau mal in deine Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen – kannst du die jeweiligen Gesamtkosten (Lebensmittel, Urlaub, Geschenke usw.) für das letzte Jahr nehmen und einen monatlichen Durchschnitt ausrechnen. Selbst wenn du nicht alle Kosten zusammen bekommst, hast du auf jeden Fall einen ersten Eindruck.

 

Bleib dran

Von jetzt an kannst Du dann alle Ausgaben tracken. Dafür kannst du ganz klassisch eine Haushaltsbuch verwenden oder auch eine entsprechende App. Leider funktionieren Dienste wie Mint oder Personal Capital in Deutschland (noch) nicht. Und sie sind weniger gut geeignet, falls du viel Bargeld verwendest, d.h. wenn deine Ausgaben nicht gut elektronisch erfasst werden können.

Ich benutze auch für diesen Zweck einfach Excel, total simpel. Immer wenn wir etwas kaufen, hebe ich den Beleg auf und trage den Betrag direkt in meine Tabelle ein. Das funktioniert für mich perfekt. Es ist aber wichtig, dass du dir eine Methode aussuchst, mit der du dich wohl fühlst, sonst wird es schwierig, dabei zu bleiben.

Wunder dich nicht, wenn es beim ersten Auflisten deiner realen Ausgaben so aussieht, als müsste am Ende des Monats mehr übrig bleiben als es das nach deiner Erfahrung in Wirklichkeit tut. Überprüf noch einmal, dass du wirklich alle Ausgaben, die nicht auf Monatsbasis anfallen, eingegeben hast. Manchmal vergisst man im Rückblick auch Ausgaben aus dem Urlaub oder im Zusammenhang mit anderen unregelmäßigen Anlässen. Wenn du von jetzt an alle Ausgaben genau erfasst, wird deine Übersicht bald mit deinen tatsächlichen Ausgaben übereinstimmen.

 

Geschafft? Großartig!

Du hast deine Übersicht aufgebaut und sie stimmt am Ende des Monats mit deinem Bankkonto überein? Super! Jetzt kannst du schauen, ob deine Ausgaben wirklich zu deinen Prioritäten für ein gutes Leben passen. Vielleicht gibt es sogar Raum, um deine Sparquote zu erhöhen und es schneller in die finanziellen Unabhängigkeit zu schaffen. Aber das ist ein Thema für einen anderen Post.

Financial Independence Rocks!

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