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Was ist eigentlich ‘FIRE’ und geht das auch in Deutschland?

Was ist eigentlich FIRE?

Die FIRE-Bewegung in Deutschland ist noch sehr klein. Daher ist auch das Konzept der finanziellen Unabhängigkeit noch nicht jedem geläufig. Zwar haben inzwischen auch schon Medien wie die Wirtschaftswoche und sogar das ZDF über die „Exoten“ berichtet, die schon mit 40 in den Ruhestand gehen wollen. Aber letztlich ist es immer noch ein Nischenthema.

Also: was ist denn eigentlich „Financial Independence“? Ganz grundsätzlich geht es darum, seinen Lebensunterhalt unabhängig von fest angestellter Erwerbsarbeit bestreiten zu können. Das kann im Extremfall zu dem Ergebnis führen, dass man tatsächlich gar nicht mehr arbeiten und nur von (relativ) passiven Einkommensströmen wie Dividenden oder Mieteinnahmen leben möchte. Kein ganz neues Konzept also – auch schon früher gab es „Privatiers“ oder „Rentiers“ – eher eine Demokratisierung. Finanzielle Unabhängigkeit ist nicht für jeden möglich, aber für deutlich mehr Menschen als die „oberen Zehntausend“.

 

Entscheidend sind Einkommensströme, die unabhängig von einem Gehalt fließen

Viele derjenigen – und gerade der jüngeren – Verfechter von Financial Independence sprechen zwar tatsächlich von „Frührente“ („Early Retirement“), wenn sie aus ihren Angestellten-Jobs aussteigen. Die meisten setzen sich dann aber nicht wirklich im klassischen Verständnis zur Ruhe, sondern verfolgen Projekte oder Business Ideen, die ihnen Spaß machen. Und häufig erzielen sie mit diesen Aktivitäten auch ein Einkommen. Aber sie sind eben nicht von einen Arbeitgeber abhängig, sondern können sehr selbstbestimmt agieren.

Jetzt kann man natürlich sagen: ja, aber das können Freelancer oder Selbständige doch auch! Häufig eben nicht: wenn ich als Freelancer oder Selbständiger meinen Lebensunterhalt aus meinem Geschäft beziehe, bin ich genau so von diesem Einkommensstrom abhängig, wie ein Angestellter von seinem Gehalt. Nicht jeder, der selbständig ist, hat sich freiwillig dafür entschieden, und vielen fällt es nicht leicht, immer wieder neu Kunden zu akquirieren, oder mit schwankenden Einnahmen zu leben. Ich glaube, das übersieht man als Angestellter oft, wenn man sich über den Chef oder nervige Prozesse im Büro ärgert.

 

Vermögensaufbau ist in den USA einfacher

Gehaltsunabhängige Einkommensströme fallen natürlich nicht vom Himmel. Im Normalfall muss das Kapital, aus dem Einkommen fließen soll, über eigene Sparleistungen und einen längeren Zeitraum aufgebaut werden. Hier hilft den Amerikanern eine aktienfreundliche Rentenpolitik, denn Aktien erbringen im historischen Schnitt die höchste Rendite. Es können verhältnismäßig hohe Beträge für die private Altersvorsorge aus dem Brutto investiert werden, die erst im Rentenalter versteuert werden müssen. Generell ist das Abgaben-Niveau niedriger, so dass mehr Netto bleibt, aus dem gespart werden kann.

 

Vorteil für Deutschland bei Krankenversicherung und Bildungskosten

Es ist zwar schade, dass es in Deutschland nicht die selben Möglichkeiten gibt, aber unser System hat für den Aufbau von finanzieller Unabhängigkeit auch Vorteile. Ich sehe hier insbesondere unser Gesundheits- und Bildungssystem. In Amerika können Krankenversicherungsprämien sehr schnell sehr hoch steigen, wenn man nicht über einen Arbeitgeber versichert ist. Interessanterweise schätzen aus meiner Sicht auch viele der amerikanischen FIRE-Blogger die Entwicklung ihrer Krankenversicherungskosten mit zunehmendem Alter deutlich zu optimistisch ein. Bei aller berechtigten Kritik am deutschen Gesundheitssystem sind Versicherungskosten in Deutschland wesentlich besser zu kalkulieren.

Um überhaupt signifikante Beträge sparen und investieren zu können, muss man ausreichend gut verdienen. Hier wird es natürlich schwammig, weil „ausreichend“ auch von den subjektiven Konsumvorstellungen abhängt. Auch wenn ein abgeschlossenes Studium keinen überdurchschnittlichen Verdienst garantiert, ist es häufig Voraussetzung hierfür.
Gerade Software-Entwickler, Ingenieure, aber auch Mediziner scheinen in der FIRE-Bewegung überdurchschnittlich vertreten zu sein.

In den USA müssen viele von ihnen Studienkredite im fünf- bis sechsstelligen Bereich zurückzahlen. Im Vergleich hierzu sind eventuelle Semesterbeiträge oder ähnliches natürlich verschwindend gering. Ich will damit nicht sagen, dass ein Studium für jeden in Deutschland unter finanziellen Gesichtspunkten völlig unproblematisch ist. Aber ein Studium bedeutet hier deutlich weniger finanziellen Ballast. Dies gilt doppelt, wenn man bei der Planung seiner finanziellen Unabhängigkeit zukünftig anfallende Studien- oder auch schon Schulkosten für die eigenen Kinder berücksichtigen will.

 

Mach den ersten Schritt

Du hast die finanziellen Voraussetzungen, unter deinen Möglichkeiten zu leben? Super, dann ist es nur eine Frage deiner Prioritäten, ob du den Weg Richtung finanzieller Unabhängigkeit und FIRE einschlagen möchtest! Wie weit du dann tatsächlich gehst, kannst du immer noch entscheiden – aber mach den ersten Schritt.

Financial Independence Rocks!

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