Personal Finance

Warum mir meine Fonds-Rentenversicherung wieder Spaß macht

Fonds-Rente

Nein, ich würde nie wieder eine Versicherung zur Altersvorsorge nutzen. Auch keine Rentenversicherung, die auf Fonds basiert.

Zur Absicherung macht eine Risiko-Lebensversicherung Sinn. Und auch die brauchst du nur, wenn durch deinen Tod einer anderen Person in finanzielle Schwierigkeiten kommen könnte. Also zum Beispiel, wenn du der Hauptverdiener in einer Familie bist, und du dein Einkommen für eine gewisse Zeit absichern möchtest. Und genau so, wenn du dich Vollzeit um eure Kinder kümmerst, und im Todesfall eine professionelle Kinderbetreuung bezahlt werden müsste. Oder wenn jemand anders finanziell von dir abhängig ist. Risikolebensversicherungen sind preislich recht günstig, bei der Kombi aus Versicherung und Altersvorsorge wird’s für den Verbraucher meistens überproportional teuer und unterproportional ertragreich.

Aber vielleicht hast du ja schon eine fondsbasierte Rentenversicherung abgeschlossen. Dann ist das, was ich mir dazu überlegt habe, vielleicht auch für dich interessant.

 

Meine fondsbasierte Rentenversicherung

Gar nicht mehr ganz so jung, aber trotzdem noch naiv, habe ich im Jahr 2000 über unsere damalige Bank, die Advance Bank, eine Fonds-Rente abgeschlossen. Die Advance Bank war Ende der 90er-Jahre in Deutschland so etwas wie die Bank der Zukunft. Sowohl was die Infrastruktur anging – Online- und Telefonbanking – als auch die Ansätze zur massenfähigen Vermögensberatung mit relativ kostengünstigen vorstrukturierten Portfolios. Aber die Idee kam offenbar zu früh für ihre Zeit: die Advance Bank wurde schon 2003 wieder eingestampft, und wir wurden unzufriedene, weil zwangsweise, Kunden der Muttergesellschaft Dresdner Bank – inzwischen selber von der Commerzbank übernommen.  Aber ohne uns 🙂 .

Obwohl finanziell noch SEHR ungebildet, war mir auch damals schon klar, dass am Aktienmarkt über einen langen Zeitraum höhere Renditen erzielt werden können, als mit einem garantierten Festzins. Deshalb habe ich einen Strategieschwenk weg von einer ursprünglich abgeschlossenen Kapitallebensversicherung hin zu diesem Produkt gemacht – das Thema Gebühren hatte ich aber überhaupt nicht in der Optik (fairerweise muss man dazu sagen, dass wir damals noch weit entfernt von der heutigen Transparenz waren).

 

Monatliche Rente oder Kapitalabfindung?

Leider war die Advance Bank nicht so advanced, dass sie in ihren Versicherungsmänteln ETFs angeboten hätte. Insofern liegt auch meiner Fonds-Rente ein gemanagter Fonds zugrunde. Zumindest wird bei diesem von der Skandia-Versicherung aufgelegten Rentenprodukt beim Kauf der Anteile kein Ausgabeaufschlag fällig, der neben der Management-Gebühr die Performance zusätzlich drücken würde.

Und es gibt tatsächlich auch Vorteile. Zum einen erhält der Versicherungsnehmer zur Fälligkeit des Vertrages eine Überschussbeteiligung aus den Erträgen des Versicherungsgebers. Zum anderen ist bei Altverträgen wie meinem die Auszahlung nach 12 Jahren Haltezeit steuerfrei, wenn man statt einer monatlichen Rente die einmalige Kapitalabfindung wählt (ansonsten wird der Ertragsanteil versteuert).

 

Meine Präferenz: Kapitalabfindung

Für mich war sehr schnell klar, dass ich auf keinen Fall die monatliche Rente wählen wollte. Nicht nur wegen der steuerlichen Problematik. Ich bin davon überzeugt, dass die versicherungsmathematische Kalkulation der voraussichtlichen Lebenserwartung des Versicherungsnehmers bei einer gewinnorientierten Versicherung zum Vorteil des Anbieters ausfallen muss.

Inzwischen noch gepaart mit einem Niedrigzinsumfeld ist das für mich keine attraktive Option. Bei einem aktuellen Rentenwert von 27,77 Euro pro 10.000 Euro Kapital bei Kapitalverzehr und vor Steuern und Inflation kommt keine große Freude auf, oder? Und der Rentenwert kann weiter abgesenkt werden.

 

Auch die Kapitalabfindung hat einen Haken

Aber auch die Kapitalabfindung hat bei einer fondsbasierten Versicherung einen Haken: der Wert der Fondsanteile ist abhängig von der Volatilität an den Aktienmärkten. Anders als bei einer fest verzinsten Kapitallebensversicherung gibt es hier keine garantierte Auszahlungssumme.

Theoretisch sollte diese Problematik über eine lange Laufzeit nicht ins Gewicht fallen, und praktisch wurde zum Zeitpunkt meines Vertragsabschlusses das Produkt so promotet, dass ein aktives Risiko-Management in den letzten Jahren der Laufzeit sukzessive Umschichtungen in Anleihen vornehmen würde.

 

Kein Risiko-Management innerhalb der Police

Tatsächlich galt dies aber wohl nur bei der Auswahl von zwei “Vermögensmanagement-Varianten” der Advance Bank im Versicherungsmantel – nicht, wenn man einen der Standard-Investment-Fonds ausgewählt hatte, so wie ich. Da es niemanden mehr gibt, der bei der Advance Bank oder bei der Skandia-Versicherung, dem faktischen Emittenten dieser Policen, irgendein Produkt aktiv managt, hat sich dieses Thema sowieso erledigt.

Sollte hier jemand mitlesen, der die Advance Fonds-Rente mit Vermögens-Management abgeschlossen hat, würde mich sehr interessieren, wie dieser Ansatz nach Schließung der Advance Bank umgesetzt wurde.

 

Das Stichtagsproblem

Ich bin also zur Fälligkeit meiner Fonds-Rente vom aktuellen Kurs der Fondsanteile abhängig. Und wenn’s da gerade einen massiven Crash gegeben hat, kann das Ergebnis trotz der langen Vertragslaufzeit unerfreulich sein. Um mal das Beispiel vom aktuellen Corona-Crash zu nehmen: von den Höchstständen Ende Januar ging bis zum Tiefstand im März der Wert der Fonds-Anteile um fast 50 Prozent nach unten.

Inzwischen sind die Hochs schon fast wieder erreicht. Nur würde ich, wenn meine Versicherungsleistung im März bar ausgezahlt worden wäre, davon nicht mehr profitieren. Ich hätte natürlich den ausgezahlten Betrag sofort in einen marktbreiten ETF investieren und darauf setzen können, dass es einigermaßen schnell wieder bergauf geht. Psychologisch hätte ich aber mit ziemlicher Sicherheit erstmal ein ungutes Verlustgefühl gehabt – und möglicherweise nicht rational gehandelt.

 

Wo sind meine Versicherungsbedingungen?

Es dauert noch einige Jahre, bis meine Police fällig wird. Trotzdem rumorte das Thema “Stichtags-Risiko” nach dem Crash noch mehr in meinem Kopf herum als davor. Und neulich dachte ich mir: hab ich zwar noch nie gehört, aber vielleicht gibt es ja einen Weg, sich das Kapital auch in Anteilen statt in bar auszahlen zu lassen. Also auf zu meinem Aktenordner für unsere privaten Altersvorsorge-Verträge.

Das Kapitalwahlrecht ist direkt im Versicherungsschein verbrieft, dazu hatte ich mich schon vor einiger Zeit vergewissert. Mit Hinweis auf einen Paragraphen in den allgemeinen Versicherungsbedingungen, dem ich bis dato keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt hatte, weil der Zeitpunkt der Auszahlung noch weit entfernt ist.

Jetzt wollte ich die Referenz direkt nachschlagen, und stellte zu meiner unangenehmen Überraschung fest, dass in meinem Ordner keine Versicherungsbedingungen abgeheftet waren. Wahrscheinlich Schlampigkeit von mir. Interessanterweise fanden sich aber auch zu zwei weiteren Skandia-Verträgen, die mein Mann und ich als Direktversicherungen über einen Vermittler abgeschlossen haben, keine Vertragsbedingungen….

 

Bingo!

Parallel hatte ich gegoogelt und schon herausgefunden, dass es tatsächlich Fonds-Renten-Versicherungsverträge gibt, bei denen das Kapitalwahlrecht auch in Investment-Anteilen ausgeübt werden kann. Das Ganze ist aber Anbieter- und Produktabhängig. Mit dem im Versicherungsschein genannten Paragraphen konnte ich auch eine relativ aktuelle Version von Skandia-Versicherungsbedingungen ausfindig machen, in der diese Möglichkeit ausdrücklich aufgeführt wurde.

Das fand ich ja schon mal positiv. Allerdings werden die Versicherungsbedingungen relativ häufig angepasst, was zugunsten oder zulasten von Verbrauchern ausgehen kann. Ich musste also abwarten, bis mir die Versicherung die tatsächlich bei Vertragsabschluss gültige Ausfertigung zuschickt.

Und, was soll ich sagen? Es geht! Man muss aufpassen, dass man die relevanten Fristen einhält – das muss man bei Wahl der Kapitalabfindung generell – und dann sollte es problemlos möglich sein, den Anlagestock auf unser Depot zu transferieren.

 

Wieder Spaß an meiner Fonds-Rente

Damit fällt das psychologische Problem mit dem Stichtags-Risiko weg. Da ich davon ausgehe, dass ich das Kapital nicht auf einen Schlag brauche, kann ich selber disponieren, wann ich die Fonds-Anteile in Bargeld und ETFs umschichte. Super.

Jetzt denkst du vielleicht: Wie bitte, Market-Timing? Das ist doch nicht die reine Lehre? Ja, kann tatsächlich sein, dass ich in diesem Fall timen werde. Ist aber okay für mich.

Das ist natürlich kein genereller Maßstab. Aber auch das mega-rationale Orakel aus der Münchener Altstadt, ETF-Papst Gerd Kommer, gibt seinen Segen dazu, wenn Normalsterbliche größere Beträge in mehren Tranchen in den Markt bringen, weil sie damit emotional – und langfristig als Anleger – besser fahren. Trotz aller Studien, die belegen, dass die sofortige Anlage des Kapitals statistisch die tranchenweise Anlage renditemäßig schlägt.

Hier passt wieder mein Lieblingsspruch: Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie. Oder wer’s etwas kerniger mag: Entscheidend ist eben auf’m Platz.. 😉

Katrin / Financial Independence Rocks!

 

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