Deutsch Personal Finance

Passives Einkommen gibt es nicht

Um unabhängig von (d)einem Arbeitgeber zu werden, musst du alternative Einkommensquellen erschließen.

Viele Menschen glauben, dass sie nur finanziell unabhängig werden können, wenn sie eine große Erbschaft machen oder im Lotto gewinnen. Das stimmt natürlich nicht. Aber ich denke, es sagt viel darüber aus, wie wenige von uns glauben, wir hätten unser finanzielles Schicksal in den eigenen Händen.

Wenn du Glück in der Geburts- oder der staatlichen Lotterie hast, kannst du deinen Angestellten-Job aufgeben. Sonst musst du bis 67 arbeiten (oder was auch immer das offizielle Rentenalter in deinem Land ist).

Die Schaffung von passiven Einkommensströmen ist eine Schlüsselkomponente im Konzept der finanziellen Unabhängigkeit. Aber nicht zu früh freuen: Die meisten “passiven” Einkommensströme sind in der Realität weniger passiv, als sie theoretisch erscheinen.

 

Mit wenig Arbeit schnell reich werden funktioniert meistens nicht

Ich glaube nicht, dass das ein Problem ist. Tatsächlich freue ich mich mehr über einen Erfolg, wenn ich mich dafür anstrengen musste. Aber innerhalb der FI-Community hört es sich bei einigen manchmal so an, als könntest du mit wenig Arbeit ein großes Einkommen erzielen. Zum Beispiel, in dem du E-Books schreibst oder Online-Marketing-Beratungsdienste anbietest, oder Wohnungen vermietest. Bitte hinterfrag solche Darstellungen kritisch, vor allem wenn die gleiche Person dir entsprechende Kurse oder Bücher hierzu verkaufen möchte.

Mit wenig Arbeit schnell reich werden klingt zu gut, um wahr zu sein. Und das ist es auch. Vielleicht kommst du auf eine brillante Idee die du leicht skalieren und später mit minimalem Aufwand betreiben kannst. Das ist die klassische „Muse“, über die Tim Ferris schreibt (kein Affiliate-Link). Super und Chapeau, wenn du das geschafft hast.

 

Mach dich selber schlau

Aber wenn du dich auf den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit machst, würde ich schnelle und große Erfolge als potenzielles i-Tüpfelchen betrachten. Fang mit einer robusten mittel- bis langfristigen Strategie zur Schaffung “passiver” Einkommensströme an. Und sei dir bewusst, dass du dir dein eigenes Wissen in den Bereichen aufbauen musst, in denen du dich engagieren willst. Du lernst und siehst, was für dich funktioniert, in dem du deine eigenen Erfahrungen machst.

Das heißt natürlich nicht, dass du nicht auch aus den Erfolgen und Misserfolgen anderer Menschen lernen solltest – genau darum schreibe ich ja auch diesen Blog. Es ist aber ganz wichtig, Verantwortung für die eigenen Angelegenheiten zu übernehmen. Ansonsten solltest du besser auf das Erbe warten oder im Lotto spielen. Sorry, schlechter Scherz ;-).

 

Unsere „passiven“ Einkommensströme

Okay, um es ein bisschen greifbarer zu machen: Welche “passiven” Einkommensströme bauen ich den selber auf? In diesem Post möchte ich dir einen kurzen Überblick geben und einige Punkte hervorheben, die ich wichtig finde. Unsere Gesamtstrategie und wie diese verschiedenen Arten von Einkommensströmen dort hinein passen, beschreibe ich ein anderes Mal noch ausführlich.

 

PRIVATE KAPITAL-LEBENS-/RENTENVERSICHERUNG

Wir haben immer noch eine langjährige Kapital-Lebensversicherung, die mein Mann abgeschlossen hat, als er anfing zu arbeiten, und ein fondsgebundenes Rentenprodukt, das ich im Jahr 2000 abgeschlossen habe. Muss ich überhaupt sagen, dass wir diese Art von Produkten heute nicht mehr wählen würden?

Glücklicherweise läuft die Kapital-Lebensversicherung mit einem hohen garantierten Zinssatz. Die monatlichen Prämien für das Rentenprodukt wurden sowohl während des Millennium-Marktcrashs als auch der großen Rezession investiert. So sind zumindest die durchschnittlichen jährlichen Renditen nach Kosten ganz okay.

Wirklich passives Einkommen? Ja.

 

BETRIEBSRENTE/BETRIEBLICHE ALTERSVORSORGE 

DIREKTVERSICHERUNG

Wir bekommen beide keine Betriebsrenten. Wie in den USA und in UK sind Betriebsrenten mit festen Arbeitgeberzusagen inzwischen die Ausnahme. Falls du noch eine echte Betriebsrente bekommst, herzlichen Glückwunsch! Wir hatten beide eine Direkt-Versicherung bei unseren Arbeitgebern, da dies das Vehikel war, das sie angeboten haben, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen. Arbeitgeber in Deutschland müssen mindestens eine Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge anbieten. Bis zu einem vergleichsweise niedrigen jährlichen Gesamtbetrag können die Beiträge aus dem Bruttoeinkommen gezahlt werden. Dies Modell hört sich ähnlich an, ist aber nicht vergleichbar mit 401ks in den USA. Eine Mindestverzinsung muss garantiert werden. Damit ist man auf Versicherungsprodukte beschränkt, anstatt die betriebliche Altersvorsorge mit kostengünstigen Produkten direkt an den Aktienmärkten aufbauen zu können.

Die Direktversicherung war aufgrund der Garantie-Konstruktion in Verbindung mit einem Fonds eine schlechte Wahl. Da die Performance so schlecht war, haben wir sie seit dem letzten Jahr beitragsfrei gestellt. Hinzu kam, dass ich seit meinem letzten Arbeitgeberwechsel den Jahresbeitrag aus dem netto zahlen musste, da sich die Versicherung nicht auf den neuen Arbeitgeber übertragen ließ.

Ein Learning hieraus: Wir haben die Direktversicherungen überhaupt nur abgeschlossen, weil es eine zum 01.01.2005 eine Änderung der Steuergesetzgebung gab. Danach abgeschlossene Verträge waren bei Auszahlung nicht mehr steuerfrei. Und wir haben die Versicherungen nicht früher beitragsfrei gestellt, obwohl die Wertentwicklung im Verhältnis zu den Gebühren unterirdisch war, da die Beiträge im Verhältnis zu unserer Gesamt-Sparquote niedrig waren.

Bitte mach es schlauer als wir. Natürlich ist es sinnvoll, möglichst wenig Steuern zu zahlen. Du musst aber aufpassen, dass du dich nicht von Steuererleichterungen blenden lässt und dabei die Kosten vernachlässigst. Zugegeben, bei Abschluss Ende 2004 waren nicht alle Kosten transparent, aber dies hat sich inzwischen verbessert. Außerdem sollte man alle seine Investitionen regelmäßig auf ihre Performance überprüfen. Wir hätten z.B. meine Direktversicherung schon beitragsfrei stellen können, als ich sie aus dem Netto bezahlen musste. Dann hätten wir bei einem Invest des gleichen Betrags in einen ETF-Sparplan wahrscheinlich eine bessere Performance erzielt.

PENSIONSKASSE

Ich bekomme eine kleine Rente aus Entgeltumwandlung (Pensionskasse), d.h. Aus dem Bruttogehalt. Ich habe nur eine kurze Zeit eingezahlt und die Auszahlung ist okay. Das ist aber eine ziemlich niedrige monatliche Summe.

Wirklich passives Einkommen? Ja, aber wir waren vor und nach dem Abschluss zu passiv, um eine gute Rendite zu erzielen.

 

STAATLICHE RENTE

Mein Mann und ich haben während unserer Angestelltentätigkeit immer in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, da dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

Wirklich passives Einkommen? Ja, tatsächlich – aber wir haben natürlich dafür gearbeitet. Es gibt praktisch keine Möglichkeit auszusteigen, also lohnt es sich nicht, sich hier über möglicherweise verpasste Performance-Chancen zu ärgern.

 

IMMOBILIEN

Wir haben mehrere vermietete Wohnungen, die bereits einen gewissen Cash-Flow produzieren. Aktuell wird dieser wieder investiert.

Wirklich passives Einkommen? Nein, natürlich nicht – das hast du dir sicher schon gedacht …

 

AKTIEN

Unser Investitionen an der Börse haben wir in der Dot-Com-Ära vor dem Jahr 2000 mit einzelnen Aktien begonnen (nein, leider NICHT Amazon, aber furchtbare Alternativen wie Intershop). Dann haben wir aus unseren Fehlern gelernt (?). Leider nur zum Teil. Wir haben unterschiedliche Fonds gekauft, einige haben gut performt, andere schlechter. Aber eigentlich hatten alle zu hohe Kosten. Dann haben wir wirklich aus unseren Fehlern gelernt (!?). Inzwischen haben wir fast alle Fonds verkauft und investieren nur noch in ETFs. Ausschüttungen werden derzeit reinvestiert.

Wirklich passives Einkommen? ETFs sind definitiv passiver als die Investition in Einzeltitel. Aber du musst immer noch fundierte Entscheidungen treffen. Und du musst eine Strategie finden, die für dich funktioniert.

 

Wo wir gerade bei Strategie sind – natürlich schreibe ich hier auch noch darüber, wie ich unsere eigene Strategie erstellt habe und wie die verschiedenen Einkommensströme sich darin einfügen. Stay tuned…

Financial Independence Rocks!

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