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Müßiggang ist aller Laster Anfang?

Müssiggang ist aller Laster Anfang

Solange ich angestellt beschäftigt war, habe ich immer sehr viel gearbeitet. Daneben haben mein Mann und ich uns um unseren Sohn gekümmert. Und um unseren Haushalt. Und um den Ausbau unseres Hauses. Und um unsere Finanzen. Und um unsere Steuern. Und, und, und…

Wir haben das auch nicht in Frage gestellt. Machen ja alle. Aber irgendwann schlich sich bei mir so ein nagendes Gefühl ein.

Irgend etwas fehlte.

Materiell ging es uns extrem gut. Wir konnten uns alles kaufen, was wir wollten. Teure Urlaube machen. In Top-Restaurants essen gehen.

Und das haben wir auch genossen. Natürlich ein Privileg. Es ist wahrscheinlich sogar leichter festzustellen, dass man so einen Lebensstil gar nicht braucht, wenn man ihn tatsächlich gehabt hat. Ein Traum ist immer perfekter als ein erfüllter Traum.

Trotzdem, irgend etwas fehlte.

 

Manchmal muss man ein bisschen angeschubst werden

Manchmal sind es externe Veränderungen, die etwas ins rollen bringen. Ich war Ende 2012 schon seit drei Jahren Langstreckenpendlerin zu meinem Job und nur am Wochenende zuhause. Dann ergaben sich im Top-Management unserer Firma einige Veränderungen, die ich kritisch fand.

Und interessanterweise wurde mir zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass ich eigentlich nur noch komplett routinengesteuert „funktionierte“. Ich hatte das Gefühl, ich lebe nur noch für die verschiedenen Verpflichtungen. Und damit war die selbstbestimmte Balance verloren gegangen, die mich früher trotz eines stressigen Jobs und hoher Verantwortung zufrieden gemacht hatte.

Ich habe zeitweise mein Pensum sogar freiwillig noch erhöht, als ich nebenberuflich Anfang der 2000er-Jahre ein geistes-/ sozialwissenschaftliches Zweitstudium absolviert habe. Aber das hat genau die Interessen bedient, die ich im Job nicht ausleben konnte. Und damit haben sich beide Bereiche gegenseitig befruchtet. Ich fand das ideal.

 

Ein gutes Leben?

Jetzt war ich weit entfernt von ideal, meine non-business-Seite war total verkümmert. Aufgrund meiner starken zeitlichen Einbindung habe ich auch keine Möglichkeit gesehen, mir im Status quo wieder Raum für eine Balance zu verschaffen. Insofern war diese Situation auch ausschlaggebend, mich sehr intensiv mit den finanziellen Implikationen für ein frühzeitiges Ausscheiden aus Corporate Germany zu beschäftigen.

Aber im ersten Schritt habe ich etwas anderes gemacht: ich habe mich auf eine virtuelle Suche nach dem guten Leben begeben. Dabei bin ich auf viele interessante Protagonisten und Ideen gestoßen, die mich zum Nachdenken angeregt haben und mich teilweise auch heute noch inspirieren.

Ich habe mir Filme angeschaut, Bücher gelesen und mich mit Websites beschäftigt. Meine Quellen möchte ich in loser Folge mit dir teilen. Würde mich freuen, wenn auch du hier Denkanstösse findest.

 

Weniger arbeiten, mehr leben

„Die Kunst des Müßiggangs“. Das ist der Titel einer Doku aus der Reihe „7 Tage“. Sie porträtiert einen selbständigen Pädagogen aus Bremen, der sich bewusst dafür entschieden hat, der Erwerbsarbeit nur einen gewissen Raum in seinem Leben zu überlassen. Sein Job beschränkt sich auf 15 Stunden pro Woche, dafür erzielt er ein Netto-Einkommen von ca. 1.000 EUR.

Neben seiner selbständigen Tätigkeit füllt er seine Lebenszeit mit künstlerischen Projekten, Reisen, zwischenmenschlichen Beziehungen – und auch viel Zeit für sich. Mich hat angesprochen, wie zufrieden und mit sich selbst im reinen er wirkt. Für viele wäre seine Nonchalance im Bezug auf Altersvorsorge völlig undenkbar – mich eingeschlossen – trotzdem, und auch gerade deswegen, hat er mich positiv beeindruckt

Aber schau selber:

ARD, 7 Tage, “Die Kunst des Müßiggangs”

 

Weniger ist mehr

„Weniger ist mehr – vom Trend mit Nichts glücklich zu sein“. In dieser Doku geht es vordergründig um die Trend-Themen „Minimalismus“ und „Sharing-Economy“. Es werden verschiedene Protagonisten vorgestellt, die teilweise radikal minimal leben. Daneben werden Beispiele für Modelle der „Sharing-Economy“ gezeigt. Und es gibt Einordnungen zum aktuellen Konsum und seiner Nachhaltigkeit.

Für mich haben die Themen in der Doku aber auch sehr viel damit zu tun, was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind – klar, Versorgung der Basisbedürfnisse – aber dann: Erfahrungen machen, sich für Dinge einsetzen, die einem wichtig sind, Freundschaften pflegen, einfach leben.

Aber schau selber:

Phoenix, “Weniger ist mehr, vom Trend mit Nichts glücklich zu sein”

 

Einfaches Leben

Und das passt dann auch schon direkt zur Scobel-Diskussion „Einfaches Leben“. Hier diskutieren eine Psychologin und ein Benediktiner-Abt mit Gert Scobel darüber, was ein gutes Leben ausmacht. Die Idee des „guten Lebens“ ist schon von den griechischen Philosophen in der Antike diskutiert worden. Hierzu gehörte Raum für das philosophieren, diskutieren, aber auch für Lernen und gemeinschaftlich verbrachte Zeit. Und für Müßiggang und Selbstreflexion.

Die griechischen Philosophen fanden Arbeit, die über das Schließen von Verträgen oder übergeordnetes Verwalten hinausging, eher nicht in Einklang mit einem guten Leben. Für die „richtige“ Arbeit waren die Sklaven zuständig.

Dagegen wurde bei Luther und besonders Calvin die Arbeit bzw. der Erfolg der Arbeit zu einem möglichen Beleg dafür, von Gott auserwählt zu sein. Auch wenn diese religiösen Wurzeln heute nicht mehr im Vordergrund stehen, hat sich die Vorstellung, dass jemand der wirtschaftlich erfolgreich ist, „es geschafft hat“ bis heute gehalten. Aber hat der- oder diejenige deshalb ein „gutes Leben“?

Schau selber:

3sat, Scobel,”Einfaches Leben”

 

Financial Independence Rocks!

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2 Comments

  • Avatar
    Reply
    finanzmatze
    August 21, 2020 at 10:00 pm

    Viele interessante Dokus – werd ich mir bei einem regnerischen Herbst-Wochenende mal alle angucken.

    Danke für den Tipp.

    • Financial Independence Rocks!
      Reply
      Financial Independence Rocks!
      August 22, 2020 at 9:58 am

      Freuen wir uns erstmal weiter an dem guten Sommerwetter 😉

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