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Mit deinem Einkommen auskommen

Mit deinem Einkommen auskommen

Huhu, dies ist ein Post speziell für Berufseinsteiger. Ich mache eine Serie Personal Finance 1.0 zu Finanz-Themen, die du zum Start ins Erwachsenenleben kennen solltest. Wenn du schon älter bist: Vielleicht ist das Thema für dich trotzdem interessant. Oder du kennst jemanden, für den diese Infos nützlich sein könnten. Dann freue ich mich, wenn du sie teilst. 

Wenn du jetzt dein eigenes Geld verdienst, ist das bestimmt ein cooles Gefühl. Und vielleicht weisst du schon ganz viele Dinge, die du dir kaufen möchtest. Oder du möchtest dir endlich ein tolles neues Auto leisten oder eine schicke große Wohnung.

Kann man alles machen. Mein Vorschlag wäre nur, dass du dir genau anschaust, was im Rahmen deiner Möglichkeiten wirklich nachhaltig funktioniert. Und auch ein Auge darauf behältst, dass dein Konto nicht in die Miesen rutscht, wenn du mal von einer plötzlich notwendigen Ausgabe überrascht wirst. Mittelfristig ist es smart, einen Teil deines verfügbaren Einkommens für die Zukunft zu investieren, aber darum kümmern wir uns noch mal in einem separaten Post.

 

Konsum auf Pump ist eine ganz schlechte Idee

Warum ist es so wichtig, mit dem Einkommen auszukommen? Du kannst doch ganz leicht einen Kredit bekommen, vielleicht hat dir die Bank für dein Gehaltskonto auch schon einen Dispo-Kredit eingerichtet? Simple Antwort: alles, was du mit einem Kredit finanzierst, kostet dich mehr als den Kaufpreis. Dadurch hast du danach noch weniger von deinem Gehalt zur Verfügung als vorher. 

Worst case ist, wenn das, was du gekauft hast, schon gar nicht mehr da ist, und du trotzdem noch Zinsen dafür zahlst. Ärgerliches Beispiel wäre ein kreditfinanzierter Urlaub, richtig kritisch kann es aufgrund der hohen absoluten Summen bei einem Autokredit werden: wenn es ein Problem mit deinem Gehalt gibt, weil du von einer Kündigungswelle getroffen wirst, liegt der Zeitwert des Autos möglicherweise unter dem zur Ablösung des Kredits notwendigen Betrags. Also: Kredite für Konsum sind eine ganz schlechte Idee, hier habe ich auch noch mal ausführlicher dazu geschrieben.

 

Setz dir ein Sparziel

Deshalb ist mein Tip, dass du dir einen Plan dazu machst, wofür du dein Gehalt einsetzen willst. Es gibt notwendige monatliche Ausgaben wie Wohnen und Essen, vielleicht hast du auch fixe Transportkosten, um zu deiner Arbeitsstelle zu kommen. Daneben gibt es auch die Ausgaben zum Beispiel für Versicherungen, die normalerweise am günstigsten sind, wenn man sie jährlich bezahlt. Die musst du also auf den Monat umrechnen. Dann gibt es Ausgaben, die dir wichtig sind, zum Beispiel für Sport oder Ausgehen mit Freunden. 

Mein Vorschlag wäre, dass du als Berufsanfänger versuchst, alle Ausgaben zusammen unterhalb von 80 Prozent deines Netto-Einkommens zu halten. Dann kannst du 10 Prozent für größere Wünsche (Urlaub, neue Möbel etc.) zurücklegen. Und mit weiteren 10 Prozent baust du dir erst mal einen Notfall-Topf auf – für echte, nicht absehbare Notfälle – den du so schnell wie möglich auf das drei- bis sechsfache deiner notwendigen monatlichen Ausgaben aufstockst. Damit bist du dann selbst für einen zeitweisen Jobverlust schon gut gerüstet. Wenn du schon mal ein bisschen reinschnuppern möchtest, wie man dann weiter vorgehen kann, habe ich hier einen Post für dich.

 

Weißt du eigentlich wie viel du ausgibst?

Du hast ja aktuell schon Ausgaben, aber vielleicht weißt du die Details spontan gar nicht. Dann schau dir deinen Status quo doch als erstes genau an. Um dir einfach mal ein Gefühl zu geben, wie die Verteilung in der Gesamtbevölkerung aussieht: im Schnitt geben die Menschen in Deutschland ungefähr 35% fürs Wohne aus, 15% für Lebens- und Genussmittel und 15% für Transport (diese Anteile scheinen auch in vielen anderen Ländern ähnlich zu sein). Zu den weiteren Kategorien – die müssen natürlich nicht mit deinen eigenen Kategorien übereinstimmen – findest du Daten beim Statistischen Bundesamt. Die Tabelle ist auch interessant, wenn man sich die Unterschiede je nach Haushaltsgröße anschaut, aber dazu später noch mehr. 

Jetzt siehst du, wo du im Vergleich zum Durchschnitt der Menschen in Deutschland so liegst. Wenn du in bestimmten Bereichen schon weniger ausgibst, super – das gibt dir mehr Spielraum. Wenn du über dem Schnitt liegst, kannst du überlegen, ob und wie du diese Kosten senken kannst. Für die großen Bereiche Wohnen, Lebensmittel und Mobilität findest du meine Tipps in den verlinkten Posts.

 

Ein reales Beispiel

Jetzt ist das ja alles noch recht abstrakt. Deshalb möchte ich dir ein praktisches Beispiel zeigen. Unser Sohn war so nett mir das Okay zu geben, sein Budget als Berufsanfänger mit dir zu teilen. Er ist 22 Jahre alt, macht aktuell ein Trainee-Programm und lebt in London. Also einer teuren Stadt, nicht nur was Wohnen angeht. Natürlich ist er ein bisschen von seiner Financial-Independence-infizierten Mutter beeinflusst ;-), und hat sich von Anfang an vorgenommen, einen Teil seines Gehalts zum Sparen und Investieren einzuplanen. 

Zuerst hat er in einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft für Professionals gewohnt. Die Wohnung war nicht besonders schön, hatte aber den Vorteil, dass sie nur 10 Minuten zu Fuss von seiner Arbeitsstelle entfernt war. Inzwischen ist er zusammen mit seiner Freundin in eine kleine 2-Zimmer-Wohnung gezogen. Die Wohnung liegt weiter entfernt, dafür ist die Wohnsituation jetzt natürlich deutlich angenehmer. 

 

Skaleneffekte

Grundsätzlich kannst du Ersparnisse erzielen, wenn du mit mehreren Personen in einem Haushalt wohnst, statt alleine – so lange eine zusätzliche Person auch ein zusätzliches Einkommen mitbringt. Das siehst du auch in der Tabelle vom statistischen Bundesamt. Denn es gibt bestimmte Basiskosten, die dann auf mehrere Personen verteilt werden. 

Die optimale Situation entsteht wahrscheinlich, wenn du aus einem Ein-Personen-Haushalt in einen Zwei-Personen-Haushalt ziehst. Vorausgesetzt wie gesagt, beide haben ein Einkommen – und erhöhen ihren Lebensstandard nicht wesentlich. 

 

Nicht brachial sparen, sondern Prioritäten setzen

Bei unserem Sohn war es, was die reinen Kosten des Wohnens angeht, anders herum. Er teilt sich die Miete mit seiner Freundin anteilig zum Gehalt, und sie arbeitet in einer schlechter bezahlten Branche. Deshalb gibt er fürs Wohnen jetzt deutlich mehr aus. Dafür spart er die Wochenendfahrten und profitiert davon, dass sie ein Auto hat. Seine Freundin kocht super-gerne und sehr gut, und daher geben die beiden wenig für essen außer-Haus aus. Auch eine gute Möglichkeit, die Ausgaben im Griff zu behalten, ohne das Gefühl zu haben, auf etwas zu verzichten. 

Das finde ich noch mal ganz wichtig: es geht nicht darum, dass du dir überhaupt nichts gönnst. Schau einfach, dass du dabei im Rahmen deiner Möglichkeiten bleibst, und genug Geld für Rücklagen übrig hast. Dann kann eigentlich nichts schief gehen.

 

Butter bei die Fische

Und hier wie versprochen die konkreten Zahlen (die Einheit habe ich absichtlich weggelassen. Es sind in der Realität englische Pfund, durch die höheren Preise in England lässt sich das praktisch 1:1 in Euro übertragen):

 

Wohnsituation WG-Zimmer

Einnahmen
Gehalt netto 2.310
Ausgaben
Miete 750 32%
Betriebskosten in Miete enthalten
Council Tax in Miete enthalten
Lebensmittel/Haushalt 250 11%
Mobilität 100 4%
Entertainment 100 4%
Diverses (Kleidung etc.) 50 2%
Rückzahlung Studienkredit 210 9%
Rücklagen 850 37%

 

Wohnsituation 2-Zimmer-Wohnung, anteilige Kosten

Einnahmen
Gehalt netto 2.310
Ausgaben
Miete 1.000 43%
Betriebskosten 40 2%
Council Tax 100 4%
Lebensmittel/Haushalt 100 4%
Mobilität 20 1%
Entertainment 100 4%
Diverses (Kleidung etc.) 50 2%
Rückzahlung Studienkredit 210 9%
Rücklagen 690 30%

 

Noch eine kleine Anmerkung: Wenn du dich nicht zufällig mit englischen Gehältern auskennst, wird dir das Netto-Gehalt vielleicht relativ hoch vorkommen. Die Abgaben für Steuern und insbesondere für die Sozialversicherung sind deutlich niedriger als in Deutschland, allerdings sind auch die Ansprüche zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit viel niedriger als bei uns. Im Ergebnis sind die Brutto-Gehälter im Schnitt niedriger als bei uns, die Netto-Gehälter eher höher. Der Median für Brutto-Anfangsgehälter von Uni-Absolventen liegt bei den Top-Arbeitgebern in England aktuell bei 30.000 GBP, der allgemeine Durchschnitt bei 21.000 – 25.000 GBPIn London wird aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten tendenziell etwas mehr gezahlt.

 

Dein Haushaltsbudget verstehen lohnt sich

Du siehst: Man kann es als Berufsanfänger schaffen, nicht sein ganzes Einkommen auszugeben – auch wenn man in einer so teuren Stadt wie London lebt und deren Möglichkeiten geniesst. Das gilt übrigens auch für die Freundin unseres Sohnes, die ein deutlich niedrigeres Gehalt hat, und daraus noch für ein Master-Studium spart. Wie Bloggerin Paula Pant immer so schön sagt: You can have anything, just not everything…:-)

Ich hoffe, dieser Post hat dich inspiriert, dich einmal näher mit der Planung deiner Haushaltsausgaben zu beschäftigen – es lohnt sich.

 

Wenn du noch Fragen hast, stell sie einfach in den Kommentaren oder sprich mich direkt an.

Financial Independence Rocks!

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