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In was ich nicht investiere

In was ich nicht investiere

Auf die Idee für diesen Post hat mich Christian von bergfahrten.com gebracht (lieber Christian, danke für die Inspiration 🙂 ). Er hat auf seinem Blog zu “Prioritäten & Balance beim investierengeschrieben. Und dort unter anderem aufgeführt, in was er NICHT investiert. Die Liste schnappe ich mir mal, um mit dir zu teilen, wie ich in diesen Bereichen vorgehe.

 

Lotto, Lotterien, Glücksspiel

Im ersten Moment hat es mich überrascht, dass Christian diesen Punkt unter Investitionen aufgenommen hat. Ich find’s aber gut, denn viele Menschen “investieren” tatsächlich in Glücksspiele, um reich zu werden. Und klar, es gibt immer wieder Lotto-Millionäre, die trotz der mikroskopisch kleinen Gewinnchancen einen viel höheren Betrag ausgezahlt bekommen, als sie mit ihrem Einkommen aufbauen könnten.

Trotzdem: es macht statistisch deutlich mehr Sinn, verfügbares Einkommen nicht in Lotto-Scheinen “anzulegen”, sondern zum Beispiel in einem weltweit streuenden ETF-Sparplan. Wer jede Woche für 12,50 Euro einen Tippschein kauft, verliert über die Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit den Großteil seines Einsatzes. Wer dieses Geld stattdessen in einen World-ETF investiert, hätte in der Vergangenheit knapp 8% Rendite pro Jahr erzielt. Und über einen Zeitraum von 40 Jahren mehr als 150.000 Euro Vermögen aufgebaut.

De facto geht also in diesem Beispiel nicht “nur” der größte Teil des Einsatzes von 24.000 Euro verloren, sondern auch möglicher Zins und Zinseszins – die Differenz zu den oben genannten 150.000 Euro. Die Chance in der höchsten Gewinnklasse beim Lotto liegt bei ungefähr 1:140 Millionen, oder anders ausgedrückt bei 0,00000072 Prozent. Wie hoch der Gewinn tatsächlich ausfällt, hängt zusätzlich an der Zahl derjenigen, die die richtige Zahlenkombination getippt haben. Auch wenn ich jemanden verstehen kann, der von einem Lottogewinn träumt: bitte wirklich mal mit dem Chance-Risiko-Verhältnis auseinandersetzen – dann ist die Entscheidung doch eigentlich leicht, oder?

 

Bitcoin, Kryptowährungen

Die Blockchain-Technologie finde ich spannend, und ich bin mir sicher, dass sich hieraus weitreichende Änderungen in Transaktions- und Vertragsabwicklungen ergeben werden. Auch digitale Währungen werden sich weiterentwickeln. Es ist aber zu einem frühen Zeitpunkt solcher Entwicklungen immer sehr schwer einzuschätzen, welche Player und “Standards” sich durchsetzen werden. 

Das konnte man zu Beginn der kommerziellen Entwicklung von Content-Angeboten im Internet super sehen. Im ersten Schritt gab es keine Burggräben, und du konntest mit einem kleinen Team ein erfolgreiches Online-Magazin erstellen, während die klassischen Medien-Player das Thema noch gar nicht ernst genommen haben. Oft haben diese Player aber eine deutlich bessere Kapitaldecke und Finanzierungsmöglichkeiten. So müssen sie die ersten Entwicklungsphasen gar nicht unbedingt mitmachen, sondern können sich später einkaufen, und ihre Gesamt-Marktmacht zugunsten der neuen Engagements leveragen. Anderes Beispiel ist der Suchmaschinen-Markt, den es vor Google auch schon gab. Google hat mit seinem Algorithmus aber einen neuen Standard gesetzt. Und damit hat sich der Markt nicht linear  weiterentwickelt, sondern es gab eine komplette Disruption. 

Insofern sind Krypto-Währungen für mich Spekulation. Die kann man auf jeden Fall machen, genauso wie Spekulation in anderen Anlageklassen. In meine Strategie passen sie aktuell aber nicht.

 

Währungsspekulationen

Das gilt auch für die Spekulation mit Währungen. Wobei ich in zwei Währungen ehrlicherweise ab und zu Market Timing betreibe: ich muss meine Studiengebühren in britischen Pfund bezahlen, und an unserem “Zweitwohnsitz” mit ungarischen Forint. Wenn möglich, kaufe ich bei günstigen Kursen.

An sich sind Währungsspekulationen aber ein echt heißes Eisen, und ich habe den Eindruck, dass in diesem Bereich immer wieder unseriöse Angebote aufpoppen. Bei Engagements in internationalen Aktien lassen sich Währungsrisiken auch nicht komplett vermeiden. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Währungs-Effekte langfristig einigermaßen ausgleichen.

 

Optionen

Optionen nutze ich auch (noch) nicht. Doch das ist ein Bereich, den ich interessant finde. Allerdings eher, um niedrige Einstiegspreise für Aktien zu erzielen, die ich sowieso gerne im Portfolio hätte. Die Optionsprämien wären dann ein Bonus. Ich habe mich aber bis jetzt nicht genug mit dem Thema beschäftigt, um dies umzusetzen.

 

IPOs (Börsengänge = Initial Public Offering)

Im Dot-com-Hype um die Jahrtausendwende war ich auch bei einigen Börsengängen “dabei”. Im echten Leben, weil in meinem Job-Umfeld viele Gründer ihre Unternehmen an die Börse gebracht haben. Auch die Agentur, in der ich gearbeitet habe, hatte dies geplant. Und ich habe bei mehreren Börsengängen am Neuen Markt Aktien gezeichnet, und teilweise auch zugeteilt bekommen. Zu Anfang war das grandios: jeden Tag stiegen die Kurse, die Gründer wurden beim Exit reich (die Venture Kapitalgeber natürlich auch – oder noch mehr), 25jährige AG-Chefs kauften sich tolle Häuser und fuhren mit schicken Autos vor.

Kollegen haben Kredite aufgenommen, um Aktien zu kaufen. Es hört sich verrückt an, aber der Recency Bias ist real, Massenhysterie auch. Und wir waren alle noch nicht lange genug dabei, um uns tatsächlich vorstellen zu können, dass es auch ganz massiv in die andere Richtung gehen kann. Wenn man gerade gesehen hat, dass Aktienpreise ungebrochen um 200, 300 oder noch mehr Prozent steigen, glaubt man nicht, dass es eine gute Idee ist, auszusteigen, wenn sie ein halbes Jahr später “nur noch” 100 Prozent im Plus sind: Am Ende geht die Börse doch immer nach oben, oder? Und die Community will natürlich auch weiter dran glauben, also bestätigt man sich gegenseitig. 

Auch hier wieder: schwierig, zu so einem Zeitpunkt zu wissen, wer langfristig übrig bleiben und erfolgreich sein wird. Amazon wäre so ein Pick gewesen, aber: die verkauften damals Bücher im Internet, völlig unsexy. Sexy war E-Commerce schon, zum Beispiel das deutsche Start-up Intershop. Amazon hatte ich nicht, Intershop sehr wohl – die lasse ich zur Mahnung in meinem Depot liegen, aktueller Kurs bei 0,878 EUR. Wer die Schmerzen nachfühlen will schaut mal auf diese Meldung aus dem Jahr 1998….

Ein Unternehmen, das neu an die Börse geht, würde ich erstmal beobachten. Das Geschäftsmodell muss nicht nur “neu”, sondern auch langfristig tragfähig sein, also wirklich Geld verdienen können, nicht leicht kopierbar sein, siehe oben, und so weiter. Das echte Geschäft beim IPO machen die Kapitalgeber und die Banken, die Marge kann ich bei einem späteren Einstieg wahrscheinlich sparen.

 

Pennystocks

Super-spekulativ, nichts für meine Strategie. (Nein, ich habe Intershop nicht nachgekauft 🙂 ).

 

Edelmetalle

Das Thema Gold, oder auch Edelmetalle generell, scheint in den letzten Monaten sehr präsent. Aber auch unabhängig von Crash-Prophezeiungen gibt es häufig die Empfehlung, 10-15% des Vermögens auf Edelmetalle zu allokieren. Trotzdem gibt es auch Anleger wie Warren Buffett, die dies ausdrücklich nicht sinnvoll finden.

Aus meiner Sicht vermischen sich in der Diskussion häufig zwei Dinge: innerhalb der Asset-Allokation kann ein Anteil Edelmetalle für eine geringere Volatilität sorgen. Dies kann man über ETCs oder auch über physisches Gold oder Silber abbilden. Häufig wird Gold aber im Zusammenhang mit dem Untergang des Finanzsystems und des Euros als sichere “Währung” genannt. Wenn man das Eintreten dieses Falls für wahrscheinlich hält, macht aber nur physisches Gold Sinn, das man auch direkt verfügbar haben muss – also nicht in einem Schließfach im Ausland, aus dem man es im Fall der Fälle nicht kurzfristig wieder nach Deutschland zurück holen kann.

In diesem Szenario werden oft auch heftige soziale Verwerfungen vorausgesagt. Bei bürgerkriegsähnlichen Zuständen ist es aber doch naiv anzunehmen, dass ich ungestört mit einer Unze Gold Brot kaufen gehen kann (kostet ein Brot dann eigentlich eine Unze Gold? Oder hat der Bäcker Goldmünzen zum Wechseln?). Für den Fall würde ich eher auf die klassischen Tauschwaren Alkohol und Zigaretten setzen. Aber noch hoffe ich, dass der Weltuntergang ausfällt.

Insofern: in meiner Strategie aktuell keine Edelmetalle. Würde ich als langfristige Alternative für einen Teil Cash bei steigender Inflation aber auch nicht ausschließen.

Überleg dir doch auch mal, in was du eigentlich nicht investieren möchtest – und warum.

Financial Independence Rocks!

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6 Comments

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    Reply
    Bergfahrten
    February 8, 2020 at 10:11 am

    Hallo Katrin,

    es freut mich dass du in meinem Blog ein interessantes Thema gefunden hast!

    Danke für deinen interessanten Beitrag und einen erfolgreichen Februar 2020 wünsche ich dir ☀️

    Herzliche Grüße
    Christian / Bergfahrten

    • Financial Independence Rocks!
      Reply
      Financial Independence Rocks!
      February 8, 2020 at 6:40 pm

      Hallo Christian,

      wie nett, dass Du vorbeigeschaut und kommentiert hast! Ich hoffe, Du hattest einen tollen Urlaub.

      Dir auch einen erfolgreichen Februar und liebe Grüße

      🙂
      Katrin

  • Avatar
    Reply
    Hans
    February 17, 2020 at 7:38 am

    Hallo,

    schöner Beitrag. Lotto als Investment finde ich eine befremdliche Vorstellung. Ich spiele gerne Lotto mit bescheidenem Einsatz (2 Euro/Woche in einer Tippgemeinschaft), weil es mir Spaß macht, ich durch nichts potenziell zu so viel Geld kommen könnte, ich mich für die anderen mit ihren Riesengewinnen freue und ein Teil des eingesetzten Geldes für caritative Zwecke über die Mittel der Lottostiftung ausgeschüttet wird. Ist doch eine feine Sache, oder?

    LG

    Hans

    • Financial Independence Rocks!
      Reply
      Financial Independence Rocks!
      February 17, 2020 at 10:48 am

      Lieber Hans,

      vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Und guter Hinweis mit dem Anteil, der in caritative Zwecke fließt. Das ist ja bei ganz vielen Lotterien so.

      Weiter viel Spaß & Glück beim Tippen!

      Liebe Grüße

      Katrin

  • Avatar
    Reply
    Christian
    February 21, 2020 at 10:48 am

    Hallo Katrin!

    In meinen Augen mal eine ganz neue Herangehensweise auszusortieren – für viele ist der Anlagemarkt sonst viel zu kompliziert. Viele Dinge sehe ich wie du – andere kann man diskutieren. Wenn man das weiterdenkt kann man auch das ETF-Angebot oder den Aktienmarkt so “bereinigen” bevor man wirklich auswählt.

    Da ich jetzt erst über Herrn Korth auf deinen Blog aufmerksam geworden bin, kann ich jetzt ja mal ein wenig in deiner Blog-Vergangenheit lesen. Bisher wirklich interessant, weiter so!

    PS: Wie kommt es eigentlich, dass Hamburg und Umland vergleichsweise viele Finanzblogger hervorbringt? Sind das unsere Pfeffersackgene? 😉

    • Financial Independence Rocks!
      Reply
      Financial Independence Rocks!
      February 21, 2020 at 10:56 am

      Hallo Christian,

      freut mich sehr, dass Dir der Blog gefällt, und danke für’s kommentieren! Die Ehre der Idee für die Liste gebührt natürlich Deinem Namensvetter von bergfahrten.com, so systematisch habe ich mir auch das erste Mal Gedanken darüber gemacht. Da kann man mal schön für sich selber checken, wie konsistent die eigene Herangehensweise ist. Alternative Theorie zu den Finanzbloggern aus dem Norden: bei unserem schlechten Wetter haben wir viel Zeit dafür 😉 .

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