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Die Macht von F***-You-Money

Die Macht von F***-You Money

Du hast einen tollen Job und arbeitest gerne? Ich hoffe ja, und das ist super. Aber die Dinge können sich ändern …

Ich habe auch immer sehr gerne gearbeitet, aber irgendwann passten meine Werte und die meines Arbeitgebers einfach nicht mehr zusammen. Und nach der x-ten Restrukturierung und einer ziemlich offensichtlichen, wenn natürlich auch inoffiziellen Firmenpolitik, Führungskräfte über 40 durch jüngere, billigere Mitarbeiter zu ersetzen, fand ich mich in einer Position wieder, die mir nicht gefiel.

Meine Chefin war der letzten Restrukturierung zum Opfer gefallen, der Unternehmensbereich, den ich geleitet hatte, wurde aufgelöst, und ich sollte an einen neuen Vorgesetzten berichten. Meine neue Rolle war an sich nicht uninteressant, aber ich war zu diesem Zeitpunkt schon seit sechs Jahren jede Woche 500 km pro Strecke zwischen meiner Familie und meinem Job hin und her gependelt, und meine Perspektive im Unternehmen war eindeutig nicht mehr attraktiv genug, um die Abstriche an Lebensqualität weiter zu rechtfertigen.

 

Vorbereitet sein hilft

Zum Glück waren wir finanziell auf diese Situation vorbereitet. Sowohl mein Mann als auch ich haben immer Vollzeit in sehr gut bezahlten Jobs gearbeitet. Aber anders als viele in vergleichbaren Positionen haben wir unter unseren Möglichkeiten gelebt und einen hohen Anteil unserer Gehälter gespart.

Wenn ich früher mit Personal-Finance-Themen in Berührung gekommen wäre, hätten wir unsere Ersparnisse wahrscheinlich von Anfang an viel strategischer investiert. So waren wir schon Mitte Dreißig, als wir angefangen haben, uns ernsthaft mit Vermögensaufbau und der Schaffung von gehaltsunabhängigen Einkommensströmen zu beschäftigen. Uns ging es nicht darum, reich zu werden, sondern darum, in einer Branche, in der Arbeitnehmer über 50 selten anzutreffen sind, ein Sicherheitsnetz für uns aufzubauen.

Vielleicht ist es an deinem Arbeitsplatz anders, z.B. wenn du einen sicheren Beamtenjob hast, aber in den letzten Jahren hat sich das Phänomen, ältere Arbeitnehmer “aus dem Unternehmen zu entwickeln”  in den meisten Branchen ausgebreitet. Auch wenn du deinen Job und deine Firma im Moment toll findest, ändert sich das vielleicht im Lauf der Zeit. Falls das passiert, wirst du mit Sicherheit glücklich sein, wenn du nicht völlig von deinem Gehalt abhängig bist, und du dir mit deinen Rücklagen Zeit nehmen kannst, einen neuen Job zu finden.

 

F***-You-Money kauft dir Optionen

Selbst in Ländern wie Deutschland, wo du Anspruch auf Arbeitslosengeld hast, gibt dir dies beim Kontakt mit dem Jobcenter mehr Selbstvertrauen. Als mir meine Arbeitssituation nicht mehr gefiel, war es extrem befreiend, über genügend  F*** – You-Money zu verfügen. Ich habe mich letztlich entschieden, nicht mehr angestellt zu arbeiten, und neue Dinge auszuprobieren, wie zum Beispiel das Schreiben dieses Blogs.

Meinem Mann gefällt sein Arbeitsumfeld immer noch sehr gut, und er hat nicht die Absicht, in absehbarer Zeit dort aufzuhören. Das ultimative Ziel unserer Finanzplanung ist trotzdem die finanzielle Unabhängigkeit als Paar. Für uns bedeutet das, dass bezahlte Arbeit für den Lebensunterhalt optional ist. Es bedeutet nicht, dass wir nicht in einem Job oder in Projekten arbeiten werden, wenn uns etwas interessiert, und wenn wir damit Geld verdienen können. Wir werden es aber für unseren Lebensunterhalt nicht zwingend müssen. (Deshalb ist mir der Begriff “finanzielle Unabhängigkeit” oder Financial Independence (FI) lieber als FIRE (Financial Independence Retire Early)). Aufgrund unserer Vermögensstruktur gehen wir auch nicht nach der 4%-/ 25x- jährliche-Ausgaben-Regel vor, die in der FIRE-Community häufig verwendet wird. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Post).

 

Starte deine eigene Reise zur finanziellen Unabhängigkeit

Egal, ob du FIRE oder FI anstrebst, oder einfach nur den Umgang mit deinen persönlichen Finanzen verbessern willst – ich möchte dich auf dieser Reise unterstützen, indem ich meine eigenen Erfahrungen, Einsichten und Gedanken mit dir teile und dich motiviere, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Es lohnt sich wirklich!

Was ich auch mit dir teilen möchte, sind die Fehler, die wir beim Investieren gemacht, und was wir daraus gelernt haben. Wenn man einige der FI / FIRE-Blogs liest, könnte man sich entmutigen lassen, wie scheinbar leicht andere ein riesiges und stetig wachsendes Vermögen aufgebaut haben. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die FIRE-Bewegung, die von US-Bloggern dominiert wird, erst während des sehr langen Bullenmarktes nach der ‘Big Recession’ wirklich groß geworden ist.

Für diejenigen, die seit den 1990er Jahren an der Börse investiert haben, war der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit wahrscheinlich holpriger. Darüber hinaus unterscheiden sich die Steuer- und Rentensysteme in den USA erheblich von denen in Europa, was in den USA zu deutlich höheren Investitionen in Aktien führt – verstärkt durch den Bullenmarkt die treibende Kraft hinter vielen hohen Vermögen in der FIRE-Community.

Ich hoffe, dieser Blog wird dir auf deinem eigenen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit helfen.

Financial Independence Rocks!

 

 

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4 Comments

  • Avatar
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    Sebastian
    February 15, 2020 at 1:16 pm

    Liebe Katrin,

    vielen Dank für diesen Artikel und Deinen insgesamt “kalorienhaltigen” Blog!

    Kleine kritische Anmerkung eines anderen FIers: die 4%-Entnahmeregelung / der Faktor 25 ist statistisch gesehen höchst unsicher. Robuster wären höchstens 3 % anzunehmen, dazu hat u.a. der Frugalist auch einen längeren Artikel veröffentlicht…

    Schönes Wochenende,
    Sebastian

    • Financial Independence Rocks!
      Reply
      Financial Independence Rocks!
      February 15, 2020 at 1:29 pm

      Lieber Sebastian,

      vielen Dank für Deinen netten Kommentar!

      Und was die 4%-Regel angeht, bin ich komplett bei Dir, ich habe dazu den Artikel “Die 4%-Regel – und warum die sie mit Vorsicht genießen solltest” geschrieben. Den sollte ich dann wohl mal flott mit diesem Post verlinken, danke für den Hinweis ;-).

      Dir auch ein schönes Wochenende

      Katrin

  • Avatar
    Reply
    finanzmatze
    August 21, 2020 at 9:55 pm

    Schön geschriebener Einstieg – nachdem ich dich beim finanzrocker gehört hab, forste ich mich mal durch deinen Blog, um mir Inspirationen und neue Ideen zu holen.

    Viele Grüße
    Matthias

    • Financial Independence Rocks!
      Reply
      Financial Independence Rocks!
      August 22, 2020 at 9:58 am

      Hallo Matthias,

      freut mich, dass Dir das Interview so gut gefallen hat, dass Du Dich jetzt durch den Blog stöberst. Viel Spaß dabei!

      Viele Grüße

      Katrin

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