Deutsch Financial Independence Basics

Bau einen Plan für deine finanzielle Unabhängigkeit

Bau einen Plan für deine finanzielle Unabhängigkeit

Wie wirst du finanziell unabhängig? Indem du keine Konsumschulden machst, weniger ausgibst als du einnimmst und die Differenz investierst. Die Grundlagen hast du jetzt schon drauf!

Aber wie viel Geld brauchst du für die finanzielle Unabhängigkeit? Und wie lange dauert es, bis dein Nettovermögen groß genug ist? In diesem Post erkläre ich dir, wie du einen konkreten Plan für deine finanzielle Unabhängigkeit aufstellst.

 

Schätz‘ deine zukünftigen Ausgaben

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel passives Einkommen du brauchst, um finanziell unabhängig zu sein, musst du dir überlegen, wie hoch deine zu deckenden Ausgaben zu diesem Zeitpunkt sein werden. Ich würde es im ersten Schritt nicht zu kompliziert machen. Du brauchst erst einmal eine grobe Einschätzung.

Dafür schaust du dir deine aktuellen Ausgaben an und überlegst dir, wie diese sich verändern, wenn du nicht mehr angestellt arbeitest. Wahrscheinlich werden sie nicht genau gleich bleiben. Du wirst z.B. weniger für Dinge ausgeben, die mit deiner Arbeit zu tun haben, also schicke Berufsklamotten, Coffee-to-go oder auch Transportkosten. Für andere Bereiche möchtest du vielleicht mehr Geld einplanen, z.B. wenn Du mehr Reisen machen willst.

Was du nicht vergessen darfst, sind die Ausgaben, die aktuell aus deinem Brutto-Gehalt berechnet werden und gar nicht auf deinem Konto ankommen. Es werden die Beiträge für Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung wegfallen. Das macht zwar bei deinen Netto-Ausgaben keinen Unterschied, aber du erwirbst hier auch keine weiteren Ansprüche. Dies musst du später bei den Annahmen zu deinen Einkommenströmen berücksichtigen.

 

Die Krankenversicherung nicht vergessen

Für deine Ausgaben ist aber ein Posten sehr relevant, der aktuell bei den meisten dem Brutto bezahlt wird – und zur Hälfte vom Arbeitgeber: deine Krankenversicherung. Wenn du privat krankenversichert bis, bekommst du den Arbeitgeberanteil mit dem Netto ausgezahlt. In jedem Fall musst du dich selber krankenversichern, wenn du nicht mehr über einen Arbeitgeber versichert bist.

Deine Ausgaben erhöhen sich also um den Krankenversicherungsbeitrag. Wenn du und dein Ehepartner gesetzlich krankenversichert sind, und dein Partner weiter angestellt arbeitet, kann es sein, dass du dich über ihn oder sie familienversichern lassen kannst. Als privat Krankenversicherter hast du diese Möglichkeit nicht. In jedem Fall musst du dich also hierzu schlau machen, und den Krankenversicherungsbeitrag gegebenenfalls bei deinen Annahmen zu den Ausgaben berücksichtigen.

 

Hast du einen Firmenwagen?

Es gibt noch eine Konstellation, bei der Abzüge aus dem Brutto für deine Ausgabenschätzung relevant werden, und zwar, wenn du aktuell einen Firmenwagen hast und auch in der FI-Phase nicht auf ein Auto verzichten willst. Aktuell hast du „nur“ einen Steuerabzug für den geldwerten Vorteil des Firmenwagens und die Fahrten von zuhause zur Arbeitsstätte werden besteuert. Wenn du besonderes Glück hast, sogar pauschal vom Arbeitgeber. Mit ziemlicher Sicherheit wird es dich mehr kosten, das gleiche Fahrzeugmodell privat zu kaufen und zu unterhalten. Das wäre zumindest bei allen Firmenwagen der Fall gewesen, die mein Mann und ich in den letzten gut 20 Jahren hatten.

Schau dir in diesem Zusammenhang auch noch mal meinen Post zum Thema „Mobilitätskosten“ an. Natürlich hat hier jeder unterschiedliche Prioritäten.

 

Je höher die Ausgaben, desto größer das benötigte Vermögen

Aber nur, um dir mal eine Idee zu geben: Wenn du dich für ein Auto entscheidest, das dich im Monat 500 EUR kostet, musst du hierfür ein Nettovermögen von 150.000 EUR ansparen, wenn du der Einfachheit halber mit der 4%-Regel rechnest (meine Einschränkungen zur 4%-Regel findest du hier). Bei monatlichen Kosten von 300 EUR sind es „nur“ 90.000 EUR. Ich finde, das sind schon signifikante Unterschiede. Und sicher auch ein Grund, warum sich der „Millionär von nebenan“ (kein Affiliate-Link) eher für einen unspektakulären Gebrauchtwagen entscheidet.

Ich habe für die Schätzung unserer Ausgaben in der FI-Phase einfach die Tabelle benutzt, die ich mir zum Tracking unserer aktuellen Ausgaben sowieso aufgebaut habe. Hier kannst du zusätzliche Zeilen – z.B. für den Krankenversicherungsbeitrag – einfügen oder Zeilen löschen, wenn Ausgaben wie ein Immobilienkredit für deine selbst genutzte Wohnung in der Zukunft wegfallen.

 

Was ist deine „FI-Zahl“?

So, jetzt hast du schon einmal eine Schätzung zu deinen Ausgaben in der FI-Phase, super! Aber wie viel Vermögen brauchst du, um diese Ausgaben über “passives” Einkommen zu bestreiten?

Korrekterweise hängt dies von vielen Variablen ab: Soll das Kapital am Ende erhalten bleiben, oder ist es okay, wenn dein Vermögen in deiner Lebenszeit aufgebraucht wird? Welche Anlageformen hast du gewählt bzw. wie willst du deine Sparraten anlegen? Wie hoch wird die Inflationsrate sein?

Grundsätzlich ist es richtig, diese Variablen zu berücksichtigen. Auf der anderen Seite stehst du vielleicht erst am Anfang deines Weges zur finanziellen Unabhängigkeit. Auch wenn gerade die sehr frugalistischen FI-Blogger auch schon mal so kurze Zeiträume wie 10 Jahre bis zum Erreichen der finanziellen Unabhängigkeit propagieren, würde ich realistisch mit 15 – 20 Jahren rechnen. Und über diesen Zeitraum sind Prognosen, die über sehr durchschnittliche Werte hinausgehen, seriös nicht möglich.

Insofern würde ich tatsächlich auch erst einmal mit einem simplen Modell wie der 4%-Rule bzw. ihrer Umkehr arbeiten, dem Faktor 25x-Ausgaben. Dann hast du schon einmal eine erste Langfrist-Zielgröße. Diese kannst du dann mit der Zeit an die Realität anpassen – je nach Entwicklung deiner Ausgaben und Assets.

 

Motivier dich über Zwischenziele

Das ist aber immer noch eine sehr große Zahl, und ein Ziel, das weit weg ist. Sich für so ein Langfristziel zu motivieren, ist nicht einfach. Deshalb würde ich mir an deiner Stelle Zwischenziele einbauen – und dich auch so richtig feiern, wenn du diese erreicht hast. Hier mal ein Beispiel, wie Zwischenziele aussehen könnten. Sie sind auch als Einzelziele sinnvoll, falls du gar nicht bis zur “Endstufe” gehen willst oder diese dir aufgrund deines Gehalts aktuell unrealistisch erscheint:

Schritt 1:    Eine Notfall-Reserve von 3 Monaten aktueller Ausgaben

Schritt 2:    Eine Notfall-Reserve von 6 Monaten aktueller Ausgaben

Schritt 3:    F***-you-Money, Stufe I: 1 Jahr aktueller Ausgaben

Schritt 4:    F***-you-Money, Stufe II: 2 Jahre aktueller Ausgaben

Schritt 5:    F***-you-Money, Stufe III: 3 Jahre aktueller Ausgaben

Schritt 6:    5 Jahre zukünftiger Ausgaben

Schritt 7:    10 Jahre zukünftiger Ausgaben

Schritt 8:    15 Jahre zukünftiger Ausgaben

Schritt 9:    20 Jahre zukünftiger Ausgaben

Schritt 10:  25 Jahre zukünftiger Ausgaben

 

Timing der Einkommenströme

Die 25x-Ausgaben-Regel ist für einen Mix aus Aktien und Anleihen konzipiert. Wenn du in Deutschland wohnst, wird das vermutlich aber nicht genau deine Anlagenstruktur sein. Vielleicht hast du Altersvorsorge-Verträge, in die du – und/oder dein Arbeitgeber – aktuell einzahlst, und bei denen es zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Auszahlleistung gibt. Und wenn du angestellt arbeitest, erwirbst du Rentenansprüche.

Auch dies sind zukünftige Einkommensströme, die du in deiner Planung berücksichtigen solltest. Ich habe für uns z.B. mit einer Phase vor dem offiziellen Rentenalter und mit einer Phase danach geplant. Theoretisch könnten wir in der ersten Phase mehr aus unserem Vermögen entnehmen, also z.B. eine vermietete Wohnung verkaufen, und dies würde in der zweiten Phase dann von unseren staatlichen Renten ausgeglichen.

 

Wie planen wir die staatlichen Rente ein?

Tatsächlich haben wir dies etwas anders geplant, und betrachten aktuell die staatliche Rente als Absicherung für steigende Beiträge in unserer privaten Krankenversicherung und als gewisse Absicherung für das „Langlebigkeitsrisiko“ (schreckliches Wort). Vor diesem Hintergrund werden wir uns eventuell auch entscheiden, mindestens eine Rente erst mit 70 Jahren zu beantragen. So würde sich der Rentenwert jeden Monat, den die Rente nach dem offiziellen Erreichen der Regelaltersgrenze (bei uns mit 67 Jahren) beantragt wird, um 0,5 Prozent erhöhen.

Natürlich alles noch weit hin. Aber wenn du bis an dein Lebensende von deinen passiven Einkünften leben willst, kommst du nicht drumherum, dir eben tatsächlich auch einen Plan bis zum möglichen Alter von 95 oder 100 Jahren zu machen. Wie gesagt, ich finde es gut, hier mit einer Phase II zu arbeiten. Wie konkret du die aktuell schon ausgestalten willst, hängt davon ab, wie alt du heute schon bist.

 

Und wie schnell bin ich jetzt FI?

Okay, jetzt müsstest du dir eigentlich überlegt haben

  • wie hoch deine Ausgaben sein werden, wenn du nicht mehr abhängig arbeitest
  • ab wann und mit wie viel Einkommen du aus Vermögenswerten rechnen kannst, die du aktuell schon besitzt
  • und ob es zusätzliche Ansprüche wie staatliche Rente gibt

Hast du alles da? Super, dann kannst du dir jetzt ausrechnen, wie lange du brauchst, bis du die finanzielle Unabhängigkeit erreichst.

Dafür brauchst du dein Sparpotential, also das Geld, was du aktuell zum investieren zur Verfügung hast. (Wenn du noch Sparpotential suchst: hier findest du Posts, die dir helfen, deine Wohn-, Lebensmittel-, und Mobilitätskosten zu senken). Diesen Anlagebetrag musst du mit der angenommen Verzinsung für die Anlage multiplizeren, also z.B. mit der durchschnittlichen langfristigen Rendite von Aktien.

 

Steuern nicht vergessen

Achtung: arbeite bei steuerpflichtigen Erträgen mit der Rendite nach Steuern, also, um beim Beispiel Aktien zu bleiben, mit der Rendite, die dir nach Abzug der Kapitalertragsteuer inkl. Solidaritätszuschlag plus gegebenenfalls Kirchensteuer bleibt. Solange du deinen Sparer-Freibetrag von 801 EUR noch nicht ausgeschöpft hast, ist das bei Aktien irrelevant. Bei Gewinnen aus Vermietung und Verpachtung kommt dein persönlicher Steuersatz zur Anrechnung.

So, und jetzt zum Hochrechnen einfach mal „Zinseszinsrechner“ googlen oder noch besser: eine entsprechende Excel-Tabelle anlegen. Trag dir die Jahreszahlen in die Zeilen ein, und das Nettovermögen bzw. die erzielten Einkommenströme in die Spalten. Hier kannst du dann nämlich auch super die „Meilensteine“ eintragen, die ich dir oben vorgeschlagen habe. Und du kannst die Zuflüsse, z.B. aus einer privaten Rentenversicherung oder auch der staatlichen Rente in Phase II mit aufnehmen.

Du hast noch Fragen? Dann melde dich gerne bei mir!

Financial Independence Rocks!

You Might Also Like

No Comments

    Leave a Reply